Entscheidung

Ludwigshafen | Neubau des Polizeipräsidiums Rheinpfalz

Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem offenem Bewerberverfahren
Ausgelobte Summe: 241.000,00 € (brutto) inkl. Material, Künstlerhonorare und Preisgeld

Anlass und Ziel:
Das neue Polizeipräsidium Rheinpfalz in Ludwigshafen wird in einem heterogenen Stadtumfeld eine weithin sichtbare Vertikale im Schnittpunkt der Straßenachsen zwischen Innenstadt und Vorstadt darstellen. Damit findet die Präsenz der Polizei im innerstädtischen Raum einen prägnanten Ausdruck.
Die künstlerische Ausgestaltung an der durchgehenden „inneren Vertikale“ des verglasten Lichthofs soll in besonderem Maß identifikationsstiftend für die Bediensteten und Besuchenden wirken.

Verfahren:
Das Land Rheinland-Pfalz, vertreten durch den Landesbetrieb Liegenschaft- und Baubetreuung, Niederlassung Landau, lobte einen nichtoffenen Kunst am Bau-Wettbewerb mit vorgeschaltetem offenen Bewerberverfahren für den Neubau des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen aus.

Eingeladene Künstlerinnen und Künstler:
1.    Borgman Lenk [Anna Borgman und Candy Lenk]
2.    Monika Goetz 
3.    Professor Heiner Blum
4.    Stefanie Herr
5.    Silvia Schreiber
6.    Andrea Stahl
7.    Sabine Straub
8.    inges idee

Wettbewerbsaufgabe (Auszug):
(…) Der Auslober wünscht sich eine (oder mehrere) Installation(en), die der prägenden Mitte des Gebäudes und der stringenten Architektur einen besonderen Ausdruck der Leichtigkeit und Heiterkeit hinzufügt, bzw. hinzufügen.
Die Kunst kann monochrom oder farbig sein, lichtführend oder lenkend, in sachter Bewegung oder still. Sie kann, aber muss nicht, assoziativ die Nutzung des Gebäudes ausdrücken.
Ein Themenaspekt für die Kunst könnte hierfür Art. 1 des GG sein („Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“). 
Textliche Darstellungen sind möglich, aber keine Bedingung. Ein ästhetisches Gesamtkonzept soll ablesbar sein. (…)

Der Auslobende wünscht sich eine kohärente Gesamtwirkung und nimmt daher gerne Vorschläge für eine Einbeziehung oder eigene Gestaltung dieser Sichtelemente entgegen. Ebenso sind Vorschläge für eine Ausbreitung der künstlerischen Ausgestaltung auf die angrenzenden Flurwände, die Lobby, den Eingangsbereich oder sogar den Vorplatz erwünscht, aber nicht zwingend gefordert. Es kann sich hierbei um Spuren oder Zitate der Hauptinstallation handeln, oder um eine serielle Fortsetzung.

Entscheidung Preisgericht:
Das Preisgericht tagte am 19.07.2022 in Landau und wählte anhand von 8 fristgerechten und den entsprechenden geforderten Unterlagen in der Auslobung eingereichten Wettbewerbsarbeiten aus.
Nach drei Rundgängen entschied das Preisgericht sich für die Tarnzahl 1014, mit der Empfehlung, den Entwurf mit der Ausführung des künstlerischen Werks zu beauftragen.

Tarnzahl             1014
Künstlername    Sabine Straub
Titel                    Spring

Begründung der Jury (Auszug):
Die Arbeit mit der Tarnzahl 1014 überzeugt durch die spannungsvolle und räumlich sehr durchdachte Besetzung des Lichthofes.
Die konsequente Materialität korrespondiert mit der Architektur, die freie Form bildet gleichzeitig einen Kontrapunkt zu dem strengen Raumkonzept. 
Das Preisgericht betont die formale und inhaltliche Stärke des Wettbewerbsbeitrages, der als abstrakte „Zeichnung im Raum“ zu vielfältigen Assoziationen anregt und eine atmosphärische Bereicherung mit hohem identitätsstiftenden Potential darstellt. (…)

Konzeptidee vom Künstler (Auszug):
Ein Band aus schimmerndem Metall bewegt sich durch den Lichtschacht des neuen Polizeipräsidiums in Ludwigshafen. Es entspringt der Decke, dringt forsch nach unten vor, bildet immer wieder Schlaufen, um kurz vor dem Erdgeschoss in einem dynamischen Knäuel zu kulminieren. 
Dem Blick von unten bieten sich komplexe Überschneidungen und Verdichtungen. Diese animieren instinktiv dazu, die Struktur zu entschlüsseln. Je weiter sich die Betrachterinnen im Gebäude nach oben bewegen, desto klarer und durchschaubarer wird die Figur. Die aus einem einzigen Strang bestehende Skulptur vermittelt trotz des offensichtlichen Gewichts eine elegante Leichtigkeit. Imaginiert findet sie ihren Anfang jenseits des Daches.
Die Kombination aus schroffem Metallprofil und den weiten organischen Schwüngen im Raum ergeben ein lebendiges Licht- und Schattenspiel. Die goldfarbene Oberfläche enthält partiell bunt irisierend gefärbte Partien, wie sie durch Hitzeeinwirkung oder mechanische Beanspruchung von Metall als sogenannte Anlauffarben entstehen können. 
Dar streng technisch anmutende Profil kontrastiert mit der weichen, zufällig wirkenden Gesamtform und der schmückenden Farbigkeit. Dieser Kontrast ist zu verstehen als Metapher für die Arbeit der Polizei. Wie jede zielorientierte Tätigkeit des Menschen ist sie logisch und strukturiert geplant, muss sich aber der nicht nur rational fassbaren Wirklichkeit mit allen Unwägbarkeiten und Zwischentönen stellen. 
Der Reiz liegt im Prozess, der prinzipiell unvorhersehbar und damit immer spannend bleibt.

Die Skulptur bespielt den Luftraum von der Gebäudedecke hinunter bis in das Erdgeschoss. Sie wird als eine einzige Linie wahrgenommen. Im Bereich der Verdichtung vermischt sie sich jedoch mit einer zweiten Linie zu einem dichten Knäuel. Die Skulptur wird in drei bis sechs Segmenten im Stück angeliefert und vor Ort nahtlos zusammengefügt.
Die Oberfläche der Aluminiumprofile ist goldfarben lackiert oder eloxiert. Der genaue Farbton wird bemustert. Die „Anlauffarben“ werden mit Airbrush und einem transparenten Speziallack ( Multicrom Firma Lacolor ) aufgetragen. Der metallische Glanz des Aluminiums bleibt erhalten.
 

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