Entscheidung

Lahnstein | Neubau Kindertagesstätte LahnEggs

Offener Wettbewerb
Ausgelobte Summe: 40.000,00 € (brutto) inkl. Material und Honorar

Anlass und Ziel:

Aufgrund des stetig steigenden Betreuungsbedarfs müssen neue Kindertagesstätten errichtet bzw. bestehende Einrichtungen erweitert werden. So hat die Stadt Lahnstein eine weitere kommunale Kindertagesstätte gebaut.
Der Neubau wurde als 6-gruppige, komplett barrierefreie Einrichtung für insgesamt 100 Kinder errichtet.
Als Ziel für die Realisierung einer künstlerischen Gestaltung wurde die Fassadengestaltung des straßenseitig, dem Eingangsbereich vorgelagerten, „Kinderwagen- und Fahrradabstellraumes“ definiert.

Verfahren:

In diesem Zuge lobte die Stadt Lahnstein vertreten durch den Oberbürgermeister und betreut durch den Fachbereich 4 – Bauen und natürliche Lebensgrundlagen der Stadtverwaltung Lahnstein einen offenen einphasigen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die künstlerische Ausgestaltung öffentlich geförderter Hochbauten am Neubau der KiTa LahnEggs, Schillerstraße 1 in 56112 Lahnstein aus.
Der Wettbewerb wurde anonym (mit sechsstelliger, arabischer Kennzahl) durchgeführt.
Für die Realisierung des Kunstwerkes stehen 40.000 € brutto zur Verfügung.

Eingeladene Künstlerinnen und Künstler:

Alle professionell freischaffenden Künstler/innen, Kunsthandwerker/innen die einen besonderen Bezug zu Rheinland-Pfalz (Studium, Wohnsitz, Arbeitsmittelpunkt, Geburtsort) haben.
Die Professionalität wurde durch die Mitgliedschaft der Künstlersozialkasse, Ausstellungstätigkeiten, Mitgliedschaft in einem Künstlerverband (dem BK-RLP oder BBK), abgeschlossene künstlerische Ausbildung o.ä. nachgewiesen.
Bei Künstlergemeinschaften musste jedes Mitglied benannt sein. Künstlergruppen oder Arbeitsgemeinschaften galten als ein Bewerber.
Für die Teilnahme wurde kein Honorar gezahlt.
Für die ersten fünf prämierten Entwürfe wurden folgende Preisgelder vergeben:

1. Preis: 1500 € (brutto)

2. Preis: 1000 € (brutto)

3. Preis: 750 € (brutto)

4.-5. Preis 500 € (brutto)

Wettbewerbsaufgabe (Auszug):

Das Grundkonzept der KiTa besteht aus einem zweigeteilten Baukörper. Ein winkelförmiger Kubus schützt die Kinder zur Straße und schottet gleichzeitig die lärmintensiven Bereiche zur nachbarschaftlichen Wohnbebauung ab. Die Baumasse löst sich nach Süden in den Freiraum in einer kindgerechten Formensprache auf.
Hier liegen die "LahnEggs", die den Kindern in den Gruppen einen hohen Wiedererkennungswert geben. Die "Eggs" (abgeleitet von Lahn "Eck" und zugleich Symbol von unseren Küken) geben den Kindern mit den angrenzenden Freiräumen im Innen- und Außenbereich viele Möglichkeiten der Entfaltung.
Der dem Hauptgebäude der Kindertagesstätte vorgelagerte „Kinderwagen- und Fahrradabstellraum“ befindet sich im Zugangsbereich des Kindertagesstättengeländes, ist von der Straße her gut sichtbar und bietet einen exponierten Bereich, der von nah und fern wahrgenommen wird.
Hier sollen die Fahrrädchen und Kinderwagen während den Öffnungszeiten abgestellt werden können. Dieser Abstell wurde für die künstlerische Gestaltung ausgewählt. Die vorgesehene Gestaltung umfasst die komplette Fassadengestaltung.
Er besteht zurzeit nur aus einer Holzkonstruktion sowie einem Foliendach. Mit der künstlerischen Fassadengestaltung soll auch ein Signet geschaffen werden für den Eingangsbereich der KiTa.
Thematisch, sowie auch in der künstlerischen Formensprache werden den Künstler/innen, Kunsthandwerker/innen weitgehende Freiheiten eingeräumt. Denkbar sind Bezüge zur Architektur, zum Hauptthema Kindertagestätte, zur Region, zur Landschaft, etc. Das Thema „LahnEggs“ muss nicht aufgegriffen werden.
Die Künstler/innen, Kunsthandwerker/innen können sich hierbei durchaus mit der dreidimensionale Fassadengestaltung auseinandersetzen und wenn nötig die jetzt vorhandene Dachfläche anpassen, sofern die Funktion gewahrt bleibt und der Vorplatz sowie die geplante Nutzung des Raumes diesem nicht entgegenstehen.
Bei der Auswahl der Materialien wird die ganz- und mehrjährige Wetter- und Witterungsbeständigkeit gegen Umweltbelastung vorausgesetzt. Die zur Verwendung kommenden Materialien müssen so verarbeitet werden, dass keine Verletzungsgefahr auftreten kann, die Fassade nicht bekletterbar ist und eine nachhaltige Instandhaltung ohne größeren Aufwand möglich ist. Ein eklektischer Stromanschluss für die Beleuchtung ist vorhanden und kann auch als Bestandteil des Entwurfes berücksichtigt werden.
Der Auslober wünscht sich auch einen Vorschlag zur Gestaltung und Vorortung eines Namensschildes „KiTa-LahnEggs“, entweder in der zu gestaltenden Fassade oder anderweitig eingebunden. Kosten und Ausführung hierzu übernimmt der Auslober.

Entscheidung Preisgericht:

Das Preisgericht (bestehend aus 7 Mitgliedern) tagte am 30.01.2020 in Lahnstein und wählte aus den 20 fristgerechten und den entsprechenden geforderten Unterlagen in der Auslobung eingereichten Wettbewerbsarbeiten aus.
Aufgrund der hohen Anzahl an eingereichten Entwürfen wurden insgesamt 4 Wertungsrundgänge durchgeführt, um eine der Leistung der Teilnehmer angemessene und differenzierte Beurteilung zu gewährleisten.

Das Preisgericht entschied sich für die Wettbewerbsarbeit des Künstlers Stephan Quappe Steffen, mit der Empfehlung, diesen mit der Ausführung des künstlerischen Werkes zu beauftragen.

1. Platz 539178 Stephan Quappe Steffen, Trier
2. Platz 190125 Maria Hill, Burg
3. Platz 233981 Uta Weil, Wiesbaden
4. Platz 24061488 Anja Schneider, Gries
5. Platz 040418 Levent Kunt, Frankfurt a. Main

 

Begründung der Jury:

Der Entwurf strahlt eine kindliche Fröhlichkeit aus und besticht durch seine leuchtenden Farben. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den wie von Kinderhand geschriebenen Schriftzug. Die Leichtigkeit des Materials, teils transparent, teils transluzent / opak unterstreicht den offenen und einladend wirkenden Abstellraum. Er erlaubt ein rein- und rausschauen. Es ist keine dunkle, abweisend wirkende, geschlossene Kiste. Nachts wird er illuminiert.
Die Glaskonstruktion ist witterungsbeständig, nicht bekletterbar und dazu nachhaltig.
Die Gläser weisen eine unbegrenzte Farbechtheit auf, sind bruchfest (Verbundsicherheitsglas hergestellt aus zwei Einscheibensicherheitsgläsern) und alle Kanten sind geschliffen. Das Material ist zudem nicht brennbar und die Reinigung erfolgt mit haushaltsüblichen Mitteln.
Anmerkung: Es soll statisch geprüft werden, ob Teile der teils sichtbaren Holzunterkonstruktion demontiert oder ggfls. durch filigranere Stahlseile (Windverband) ersetzt werden können. Zudem soll die Holzkonstruktion mit einer möglichst dunkelgrauen Holzschutzfarbe gestrichen werden (optisch aufgelöst).

Konzeptidee vom Künstler Stephan Quappe Steffen:

Die Holzkonstruktion als solche soll optisch durch unregelmäßig auf der Oberfläche verteilte senkrechte Farbflächen teils transparent und opak aufgelöst werden. Zusätzlich verstärkt die freie Gestaltung diese Wirkung.
Der größte Teil der Oberfläche ist transparent und erlaubt so trotzdem ein raus- und reinschauen in das Bauwerk.
Auf der zur Schillerstraße zugewandten Seite ist das Logo "KiTa LahnEggs" in großen handgeschriebenen Buchstaben aufgebracht. Im Hintergrund ist der Einmündungsbereich der Lahn in den Rhein mit blauen opaken Gläsern dargestellt. Großflächige, satinierte Eiformen beleben den gesamten Grund der Glasflächen und nehmen Bezug auf das Wortspiel. Auf den beiden Kopfseiten werden diese " Eier " durch spielende Kinder in leuchtenden Farben begleitet.
Eine zusätzliche LED Beleuchtung, als Idee des Bauherrn, für den Innenraum würde ich befürworten. Das Streulicht würde gerade in der dunklen Jahreszeit ein schönes Licht auf den Vorplatz werfen.

 

 

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