Gernot Rumpf

Glockenbaum | 1975 | Mainz

Ministerium für Bildung, Wissenschaft,
Weiterbildung und Kultur

Mittlere Bleiche 61
55116 Mainz

Außenbereich / Eingang

Ein Windstoß hebt an und bringt Bewegung in eine ganze Sammlung kleiner Glocken. Das Klingeln mischt sich vorsichtig unter das stetige Rauschen eines Brunnens. Hört man dieses etwas verträumte Klangspiel zum ersten Mal, welches da von dem bronzenen Brunnen herüberweht, glaubt man kaum, dass es sich hier um jenes Kunstwerk handelt, von dem der Mainzer Bürger nur als ‚Beamtenwecker‘ spricht. 1974 bis 1975 wurde der „Glockenbaum“ als Kunst am Bau vor dem Mainzer Bildungsministerium errichtet, 2004-2006 einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Geschaffen hat ihn der 1941 in Kaiserslautern geborene Bildhauer Gernot Rumpf. Die verspielte, üppige Form seiner Skulpturen taucht auch im „Glockenbaum“ auf, ebenso wie die Verweise auf die antike Symbolwelt. So verbindet die Gestalt des Brunnens die Form der klassischen Harfe mit dem Prinzip der sogenannten Äolsharfe (benannt nach dem griechischen Gott der Winde Aiolos ), die alleine durch den Luftzug des Windes zum Klang gebracht wird. Darüber hinaus finden sich am stammartigen Unterbau des Brunnens zahlreiche Wasserdüsen, die in ihrer Anordnung und Form an die oft mit einer Vielzahl an Brüsten dargestellte Fruchtbarkeitsgöttin Diana erinnern. Zwischen den drei ausladenden Armen der ‚Baumkrone‘ befinden sich 14 Glocken, von denen jede für eine Weltkultur steht. Sie sind Nachbildungen traditioneller Glockenformen, unter anderem aus Äthiopien, Südamerika, Indien oder China. An diesen Glocken sind insgesamt 68 weitere kleine Glocken mit Windscheiben-Klöppeln angehängt, die erst den eigentlichen Klang der Skulptur erzeugen. Während am Fuß des Brunnens das Wasser auf fast ebener Fläche kreisförmig ausläuft und zwischen den Fugen der Bodenplatten versickert, ragen aus dem Inneren der Konstruktion dünne Bronzestreben wie Antennen in die Luft und visualisieren das Spiel mit Wind als neugieriges Tasten in die Höhe. Die Materialen, Luft, Wasser und Bronze ergänzen sich hier sowohl auf visueller wie auch auditiver Ebene zu einer dynamischen Plastik, deren Gewicht sich im einfachen Da-Sein aufzulösen scheint.

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