Entscheidung

Edenkoben | Gymnasium

Beschränkter Wettbewerb mit offenem, vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Ausgelobte Summe: 116.300,00 € (brutto) inkl. Material und Honorar

Anlass und Ziel:
In Edenkoben sind neben der Realschule Plus in der Weinstraße ein neues Gymnasium mit Hauptgebäude, Sporthalle und Erweiterungsbau entstanden.
Im Nachgang wird für die drei Bauwerke eine gemeinsame künstlerische Ausgestaltung vorgesehen. Hierzu wurde ein Wettbewerb mit dem Ziel eines überzeugenden künstlerischen Entwurfs für den ausgewählten Standort durchgeführt.

Verfahren:
Das Verfahren wurde als beschränkter Wettbewerb mit offenem Bewerberfahren ausgelobt.
Im Rahmen eines Auswahlgremiums wurden am 01.10.2019 aus 17 Bewerbungen fünf Künstlerinnen und Künstler zur Teilnahme an dem Wettbewerb ausgewählt und eingeladen.
Für die Realisierung des Kunstwerkes stehen 116.300,00 € (brutto) inkl. Material und Honorar zur Verfügung.
Für den beschränkten Wettbewerb wurden fünf Entwürfe fristgerecht eingereicht und zum Preisgericht am 10.12.2019 zugelassen.
Auslober dieses Wettbewerbes war im Namen des Landkreises Südliche Weinstraße die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße mit Sitz in Landau.

Eingeladene Künstlerinnen und Künstler:
N.N.
ARGE Bitzigeio / Oermann, Winterspelt
ARGE Lehr / Wegmann, Bad Bergzabern
Bernhard Mathäss, Neustadt an der Weinstraße
Martin Schöneich, Vorderweidenthal

Wettbewerbsaufgabe (Auszug):
Das für die Kunst am Bau vorgesehene Freigelände befindet sich auf der Ostseite des Schulgeländes. Es flankiert insbesondere die östliche Stirnseite des gymnasialen zweigeschossigen Erweiterungsbaus sowie natürlich bewachsene Freiflächen im Osten (Blick in die Rheinebene). Über den Schulhof mit Treppenanlage gelangt man zur ausgewählten Freifläche.
Bei der Ausarbeitung sind zu berücksichtigen: - Die Topografie der Freifläche (Hanglage) - Die Bodenverhältnisse; es liegen bindige bis stark bindige Bodenverhältnisse vor - Angrenzende Feuerwehrzufahrt (von Süden kommend) - Zuwegung (´Baustraße´); maximale Breite an der engsten Stelle ca. 2,50 m Aufgabenstellung.
Der künstlerische Beitrag soll den Schülerinnen und Schülern einen „Erlebnisraum“ schaffen, der sich weniger additiv zum Schulgelände verhält als sich vielmehr in das Schulgelände integriert bzw. dieses formt. Die Definition bzw. Gestaltung eines erlebbaren Raums versteht sich unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, möglicherweise der Biodiversität, passend zur nachhaltigen Ausrichtung der Schule.
Die Implementierung einzelner Werke oder mehrerer korrespondierender Kunstobjekte obliegt den Künstlern. Sowohl raumbildende als auch in der Fläche wirkende Arbeiten sind möglich.
Ziel des Wettbewerbs ist es, künstlerische Interventionen zu entwickeln, die sich mit der Bestandsarchitektur, dem Außenraum und/oder den inhaltlichen Bezügen mit Bildung und Lernen oder der inhaltlichen Schulausrichtung auseinandersetzen sowie die Aufenthaltsqualität auf dem Schulgelände (Ganztagsschule) erhöhen.
Es wird erwartet, dass die künstlerische Arbeit eigens für diesen Ort und die beschriebene Aufgabe entwickelt wird. Folge- oder dauerhafte Pflegekosten sollen vermieden werden. Bei der Auswahl des Materials ist die ganz- und mehrjährige Wetter- und Witterungsbeständigkeit gegen Umweltbelastung Voraussetzung. Die zur Verwendung kommenden Materialien müssen so verarbeitet werden, dass keine Verletzungsgefahr auftreten kann.
Der Auftraggeber erwartet einen eigens für die Aufgabenstellung angefertigten Entwurf.
Es ist nur ein Vorschlag pro Teilnehmer (Arbeitsgemeinschaften gelten als ein Teilnehmer) einzureichen.

Entscheidung Preisgericht:


Siegerentwurf ´Walk the line´ ARGE Werner Bitzigeio / Lydia Oermann

Begründung der Jury:
Der Siegerentwurf entspricht den Auswahlkriterien. Wesentliche Merkmale stellen seine luftige Leichtigkeit dar. Sie wirkt spielerisch und gleichzeitig ortsbezogen. Das Kunstwerk öffnet den Schulkomplex in die Landschaft. Es definiert einen Raum ohne ihn einzuengen. Durch das Kunstwerk findet keine Wiederholung der vorhandenen Bausubstanz statt. Stattdessen greift die Skulptur die Ausrichtung der Schule auf; sie stellt quasi den ´roten Faden´ dar. Das Leben ist nicht gradlinig (mit Bezug zu dem Schulmotto: Entdecke deine Fähigkeiten!).

Konzeptidee von der Künstler-ARGE Werner Bitzigeio / Lydia Oermann:
„Die Linie ist das Erste und Letzte, sowohl in der Malerei als auch in jeder Konstruktion“ (Alexander Rotschenko 1921).
Das Objekt „Walk the line" wirkt wie das Fragment eines Schriftzuges im Raum. Es verweist mit seinem Schwung und seinen Schleifen auf die lateinische Ausgangsschrift. Ausgeführt wird es in leuchtendem Orange aus nicht-rostenden V2A Stahlrohren mit einem Durchmesser von ca. 210 mm und einer Wandstärke von 6 mm. Sie werden mit verschiedenen Radien in 3D gebogen und zusammengeschweißt. Die Oberfläche wird geschliffen und mit einer Pulverbeschichtung inklusive Anti-Graffiti Glasur versehen. Die maximale Höhe beträgt ca. 5,5 m. Die Gesamtlänge der Rohre liegt bei ca. 55 m. Der Untergrund wird angepasst; die Betonbohlen, die jetzt noch liegen, werden entfernt und das Objekt wird auf 6 Einzelfundamenten befestigt.
Die Bodenbeschaffenheit um die Skulptur soll ganzjährig begehbar sein.Schwere und Leichtigkeit „Walk the line" greift formal die Landschaftsform auf und wird als prägendes Element im Außenraum wahrgenommen, ohne den Blick zu verstellen. Vielmehr lenkt es den Blick durch den Raum und verleitet dazu, ihn umherschweifen zu lassen. Zeit manifestiert sich im skulptural bespielten Raum. Diese Skulptur ergänzt in besonderem Maße die vorhandene Bausubstanz, da sie keinen weiteren Baukörper zu den ohnehin sehr präsenten Gebäuden hinzufügt, sondern mit ihrer spielerischen Raumauffassung einen formalen Gegenpol bildet. Obwohl aus Stahlrohr konstruiert, suggeriert das Objekt eine große Leichtigkeit durch die scheinbare Überwindung der Schwerkraft und die geschwungenen Formen.
Das Objekt kann von den Schülerinnen und Schülern „besetzt" und als Sitz- und Liegemöglichkeit genutzt werden. Es stellt sich von allen Seiten jeweils unterschiedlich dar und gewährt ständig neue Ein- und Durchblicke. Es ist witterungsbeständig und bedarf keiner besonderen Instandhaltung.

 

 

 

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