Entscheidung

Wettbewerb Kunst und Bau| Koblenz| Landesuntersuchungsamt

Beschränkter Wettbewerb mit offenem, vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Ausgelobte Summe: max. 250.000,00€ (brutto) inkl. Material und Honorar

Mit der Preisgerichtsentscheidung für den Neubau Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz in Koblenz ist der beschränkte Wettbewerb mit vorgeschaltetem, offenen Bewerberverfahren abgeschlossen.

Der Wettbewerbsbeitrag perspective des Künstlerteams Heike Weber und Walter Eul konnte die Jury überzeugen und wurde zur Ausführung vorgeschlagen.

 

 

Anlass und Ziel

Der Neubau Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz in Koblenz entsteht in einem neuen Gewerbegebiet, das an der zentralen Stadtzuwegung der B9, liegt. Das Gebäude ist ein Funktionsbau, der vor allem verschiedene Labore im rückwärtigen Gebäudeteil aus den Bereichen Lebensmittel, Weinüberwachung, Infektionsschutz, Tiergesundheit und Tierseuchen beinhaltet. Die Büroflächen befinden sich im vorderen Gebäudeteil.

Im Rahmen des Neubaus ist eine künstlerische Ausgestaltung vorgesehen, die mit Hilfe des Wettbewerbs zu einem Ergebnis geführt wurde.

Ziel des Kunst und Bau Wettbewerbs war es, einen überzeugenden künstlerischen Entwurf für die ausgewählten Standorte zu erhalten.

Verfahren:

Das Verfahren wurde als beschränkter Wettbewerb mit offenen Bewerberfahren ausgelobt.

Im Rahmen eines Auswahlgremiums wurden am 19.03.2019 aus 205 Bewerbungen acht Künstlerinnen und Künstler zur Teilnahme an dem Wettbewerb ausgewählt und eingeladen. Für die Realisierung des Kunstwerkes stehen 250.000,- € (brutto) inkl. Material und Honorar zur Verfügung. Für den beschränkten Wettbewerb wurden acht Entwürfe fristgerecht eingereicht und zum Preisgericht am 19.03.2019 zugelassen. Auslober dieses Wettbewerbes war im Namen des Landes Rheinland-Pfalz der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, Niederlassung Koblenz.

Eingeladene Künstler:

Anna Borgmann und Candy Lenk, Berlin| Dietrich Förster, Apfeldorf| Thorsten Goldberg, Berlin| Michael Jäger & Jo Schöpfer, Berlin| Atelier Jeschkelanger, Berlin| Antonia Low, Berlin| Martin Bruno Schmid, Stuttgart | KAB-Weber-Eul, Köln

Wettbewerbsaufgabe (Auszug):

Es soll eine mehrteilige Arbeit entstehen, die, wie nachfolgend beschrieben, in mehreren Geschossen verortet sein soll. Es kann drei- und zweidimensional gearbeitet werden. Die Arbeit selbst soll in ihren Teilen thematisch verknüpft sein.

Der Auslober wünscht sich eine Bezugnahme auf die oben beschriebene Funktion des Gebäudes. Diese Bezugnahme muss nicht erzählend sein, sie kann auch assoziativ oder atmosphärisch wirken.

Verortung im Gebäude:

Beim Betreten des Foyers werden die Besucher frontal auf einen Raumteiler zwischen Foyer und Bistro zugeleitet. Dieser soll als dreidimensionale Kunstinstallation umgewidmet werden. Die künstlerische Ausgestaltung, als Anlaufstelle und Blickfang, kann durchaus raumprägend wirken, die vorgegebene Abmessung des Raumteilers sollte jedoch ähnlich beibehalten werden und die Funktionalität der Räume darf durch die Kunst nicht eingeschränkt oder gestört werden. Die beiden Raumfunktionen „Foyer“ und „Bistro“ sollen durch die Kunstinstallation voneinander visuell abgeschirmt werden, es soll jedoch eine gewisse Durchlässigkeit bewahrt bleiben, die die transparente Wirkung des Raumes unterstützt. Es ist auch vorstellbar, dass sich das Kunstwerk über den Bodenbelag fortsetzt.

Der zentrale offene Aufenthaltsbereich, in den Geschossen 1-3 über dem Foyer, soll jeweils eine künstlerische Ausgestaltung erfahren und, ggf. als Variation, die Geschosse kennzeichnen. Hier ist eine Wandgestaltung gegenüber dem Treppenhaus geeignet. Dieser Raum ist bestuhlt und wird für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Pausenraum genutzt. Die Funktionalität des Raumes darf durch die Kunst nicht eingeschränkt werden.

Entscheidung Preisgericht:

Das Preisgericht tagte am 13.09.2019 im Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, Niederlassung Koblenz unter dem Vorsitz von Frau Sabine Groß. Aus acht eingereichten Entwürfe wählte das Preisgericht einen Preisträger aus und empfahl den Preisträger mit der Realisierung zu beauftragen.

Preisträger ist die Arbeit perspective von dem Künstlerteam Heike Weber und Walter Eul.

Begründung Jury: (Auszug)

Die Arbeit perspective nimmt in sehr vielschichtiger Weise Bezug auf die Arbeit des Instituts. Der schwebende Raumteiler hat eine dynamische Leichtigkeit und spiegelt die Bewegungen der Menschen und Objekte im Raum wider. Er teilt den Raum und lässt ihm gleichzeitig seine Offenheit. Es changiert nicht nur die Farbigkeit des Objekts, sondern es findet auch eine Verschiebung zwischen Transparenz und Transluzenz statt.

Die Arbeiten in den Obergeschossen zeigen auf einer großen Fläche eine hohe zeichnerische Virtuosität. Die dunkle Farbigkeit hält den Raum, die Linearität öffnet den Raum. Mit dem Farbvorschlag für die angrenzenden Türen entsteht eine lebendige Gesamtgestaltung des Raums. (…).

Konzeptidee Künstlerteam Heike Weber und Walter Eul: (Auszug)

perspective

Zwischen Foyer und Cafeteria ist ein Raumteiler geplant, welcher sich aus 17.355 mundgeblasenen Hohlglaskugeln zusammensetzt. Diese sind punktuell mit einer spiegelnden Emulsion beschichtet – so dass sie tausendfach die Umgebung und die Bewegung der Menschen im Raum widerspiegeln.

Die Kugeln sind geometrisch angeordnet. Sie bilden eine kubische Anordnung in den Randbereichen, die zur Mitte hin in eine dichtere hexagonale Anordnung übergehen. Die Anordnung erzeugt einen Übergang von transparent zu opak, was in Analogie zu Molekülen einen Wechsel der stofflichen Eigenschaften verbildlicht. Durch die hohe Dichte der Kugeln entstehen in Abhängigkeit zu Bewegung und Blickwinkel bewegte Interferenzmuster. Der fest wirkende Raumteiler scheint sich im nächsten Moment in einen immateriellen Schwebezustand zu verflüchtigen – der Blick auf das Dahinter wird freigegeben.

In den oberen Geschossen auf den Wänden der Aufenthaltsräume wird jeweils eine feine, wolkig erscheinende weiße Linienzeichnungen auf dunklen Wänden umgesetzt. Diese folgen einer Netzstruktur, die an molekulare Verkettungen oder kosmische Strukturen erinnert. Durch das Verwenden von Buntstiften erhalten die Linien eine zarte Lebendigkeit, die die Zeichnung räumlich erscheinen lässt. Die Wand löst sich in einen imaginären Raum auf.

Die drei Wände sind in unterschiedlichen dunklen Grundtönen gehalten. Um die farbliche Unterscheidung der Stockwerke zu unterstreichen, werden die 8 Türen des jeweils mittleren Laborgangs mit einer individuellen Farbe versehen, die einen – den Grundton der Wände unterstützenden Farbklang ergeben.

Die Wandzeichnungen bilden gemeinsam mit dem Raumteiler eine symbiotische Einheit, verbildlichen das Blicken auf und hinter die Oberfläche. Durch ihre Machart verführen sie sowohl zu einer makroskopischen wie auch distanziert weit schweifenden Betrachtungsweise. Der Betrachter spiegelt sich in einer kleinen Kugel oder verliert sich in den kosmischen Weiten eines Haarnetzes.

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