Erwin Wortelkamp

Allseits - von oben nach unten, wie umgekehrt | 1999 | Mainz

© Werner Hannappel, VG Bild-Kunst Bonn
© Werner Hannappel, VG Bild-Kunst Bonn
© Werner Hannappel, VG Bild-Kunst Bonn
© Werner Hannappel, VG Bild-Kunst Bonn

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung,
Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz

Kaiser-Friedrich-Str. 1
55116 Mainz

Innenhof und Umgang

Aus einer Einlassung im Innenhof in unmittelbarer Nähe dreier quadratischer Pflanzenbeete ragt ein 220 Jahre alter, von Erwin Wortelkamp bearbeiteter Eichenstamm heraus. Im unteren Teil noch mit Rinde versehen – als Zeichen seiner Herkunft – nimmt er zunehmend Formen an, die vor allem im oberen Viertel bizarre Strukturen aufweisen. Ganz allmählich entblößt sich der Baum in einem unregelmäßigen Übergang von der Rinde über den Splint zum Kernholz. Sowohl von der Seite der Cafeteria als auch von der ihr gegenüberliegenden Seite kann der Betrachter durch eine fünf Meter hohe keilförmige Öffnung durch die Skulptur hindurchsehen, die den Blick auf die dahinter liegende Architektur freigibt. Den Keil, den Erwin Wortelkamp aus dem Stamm herausgearbeitet hat, hat er als Druckstock zur Herstellung eines Prägedruckes verwendet, der in der Lichtbucht des Foyers verortet ist. Das keilförmige Wandstück ist fünf Meter lang. Zum Rauminneren schützt es sich mit seiner erhaltenen Rinde. Die beiden etwa 30 cm messenden Seitenansichten sind mit einem schwedischen Fassadenrot eingefärbt, bevor sie sich mit dem dicken, vielfaserigen und eingenässten Papier umhüllen ließen. Das Druck-Ergebnis schlagender und fühlender Hände spielt als geprägtes Bildwerk assoziativ mit Naturnähe oder gar der Vortäuschung seines neu geschaffenen Stückes Baum. Die durch Druck sichtbar gewordenen feinen Verwirbelungen und Fältelungen drücken eine Lebendigkeit aus, sind Kennzeichen der Werkbearbeitung durch den Künstler. Bewegt der Betrachter sich an dem Prägedruck vorbei, entfaltet er seine Dreidimensionalität. Steht er hinter dem Prägedruck, so entdeckt er kleine Verletzungen des Papiers in der Mitte und seitlich, Resultate des Druckvorgangs. Jede dieser drei Arbeiten zeigt sich als autonomes Werk. Aber erst in der Zusammenschau von Skulptur, keilförmigem Wandstück und Prägedruck offenbart sich dem aufmerksamen Betrachter die Dimension der künstlerischen Arbeit.

1. Gekürzter Beitrag aus: Ariane M. Fellbach-Stein: Künstlerische Ausgestaltung des Abgeordneten- und Ministerialdienstgebäudes. in: Abgeordneten und Ministerialdienstgebäude des Landes Rheinland-Pfalz in Mainz. Hrsg. von Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung. 1999. S. 48-51.
2. Erwin Wortelkamp, allseits – von oben nach unten, wie umgekehrt, S. 2

Künstler/in

Erwin Wortelkamp
geboren 1938 in Hamm
lebt und arbeitet in Hasselbach

Baumaßnahme

Neubau Abgeordneten- und Ministerialdienstgebäude

Bauherr

Staatsbauamt Mainz

Architektur

Prof. Heinz Mohl, Architekt
Karslruhe

Kunst am Bau

Allseits - von oben nach unten, wie umgekehrt
Plastik

Art des Verfahrens

Beschränkter Wettbewerb

Fotografie

Werner Hannappel

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