Entscheidung | Kunst und Bau Wettbewerb

Am Montag, den 03.09.2018 fiel die Entscheidung zur künstlerischen Gestaltung im Außenbereich der Generalsanierung des historischen Deutschhauses in Mainz.
Der Wettbewerbsbeitrag „Drei Farben“ von Michael Sailstorfer konnte die 17-köpfige Jury überzeugen.
Der ausgewählte Entwurf soll mit der Fertigstellung der Außenanlagen im Jahr 2020 realisiert werden.

Anlass und Ziel:

Im Zuge der Generalsanierung des historischen Deutschhauses in Mainz hat nun der rheinland-pfälzische Landtag mit der Empfehlung des Preisgerichts das Verfahren für die künstlerische Ausgestaltung beendet.
Die Aufgabe des Wettbewerbs war es, ein Kunstwerk für die Außenfläche vor dem Restaurant zu entwickeln.

Verfahren:

Für den europaweiten ausgelobten Kunst am Bau Wettbewerb, um dessen Teilnahme sich in einem vorgeschalteten offenen Bewerberverfahren 171 Kunstschaffende beworben hatten, waren im Mai 2018 insgesamt 10 Wettbewerbsteilnehmende ausgewählt und eingeladen worden.
Auslober dieses Kunstwettbewerbes war der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, Niederlassung Mainz, der das Land Rheinland-Pfalz hier vertritt.
Das Wettbewerbsverfahren erfolgte gemäß Richtlinie für die Durchführung von Bauaufgaben des Landes Rheinland-Pfalz (RLBau, K 7.

Eingeladene Künstlerinnen und Künstler:

conhereos, Markus Quiring und Mirko Schwartz | Lucia Dellefant | Martin Kaltwasser | Kazuo Katase
Prof. Raimund Kummer | Alexander Laner | Joachim Manz | M+M, Martin De Mattia und Marc Weis
Michael Sailstorfer | Thomas Virnich 

Wettbewerbsaufgabe (Auszug):

Der Auslober erwartet einen Entwurf, der auf die besondere Funktion des Gebäudes als Stätte der Demokratie eingeht und diese künstlerisch interpretiert.
Die Außenfläche vor dem Restaurant ist ein extrovertierter Blickfang, sowohl vom Restaurant, als auch von der Straße. Hier sammeln sich die Besuchergruppen vor dem Zutritt zum Landtagsgebäude. Dieser Ort im Blickfang des großen Restaurantfensters soll mit einer künstlerischen Ausgestaltung bespielt werden.
Die Interpretation muss nicht erzählend sein, aber die durch sie ausgelöste Assoziation muss sich mit der Bedeutung und Ausstrahlung des Deutschhauses zu einer positiven atmosphärischen Gesamtwirkung verdichten. Dem Gedanken der offenen Gesellschaft und transparenten Demokratie entsprechend sind auch partizipative Elemente denkbar.

Entscheidung Preisgericht:

Für den Wettbewerb mit offenem vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren » Nachhaltige Sanierung Landtag Rheinland-Pfalz « wurden insgesamt 10 Arbeiten zum Preisgericht zugelassen.
Die Wettbewerbsjury unter Vorsitz Frau Dr. Beate Kemfert, Stiftungsvorstand der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim, tagte am 03.09.2018 in der Lobby der Steinhalle des Landesmuseums Mainz und empfahl die Arbeit „Drei Farben“ des Künstlers Michael Sailstorfer aus Berlin zur Realisierung.

Begründung Jury:

Die Arbeit „ Drei Farben“ nimmt in herausragender Weise Bezug auf die inhaltlichen und städtebaulichen Rahmenbedingungen am Platz der Mainzer Republik:
Inhaltlich leistet sie eine künstlerische Transformation des Themas der Hambacher Fahne. Sie bedient sich des in der Kunstgeschichte etablierten Mittels der Farbfeldinszenierung und schafft damit eine subtile Brechung des vielfältig besetzten Fahnenmotivs. Durch die Trennung der drei Farben der deutschen Fahne auf jeweils drei ca. 9 Meter hohe Messingrahmen kann die Fahne neu erlebt werden. Der Künstler hat das Verblassen und Verschleissen des Tuches mitbedacht-- wie die Demokratie selbst muss auch diese Fahne immer wieder erneuert werden. Die offene Form, mit der die drei Elemente den öffentlichen Raum vor dem Landtag bespielen, steht für die spielerische Offenheit, mit der die symbolträchtige Farbigkeit vom Künstler inszeniert wurde. Wie an die heroische Trikolore lassen die monochromen Tücher auch eine Assoziation an das historische Bleichenviertel mitschwingen.
Städtebaulich formieren die subtil detaillierten Messingrahmen einen Stadtraum, der begrenzt und offen zugleich ist. Sie setzen ein Zeichen an der noch nicht abschließend formierten, noch ungeordneten Nahtstelle zwischen der Mainzer Alt- und Neustadt. Sie formieren neue Blickachsen, die aus jeder Richtung anders gelesen werden können. Der geschichtlich für Mainz und die deutsche Demokratie so bedeutsame Platz erfährt durch das im Wind flatternde Tuch eine neue Leichtigkeit, ohne dass die Historie in irgendeiner Form verdrängt würde. Die Rahmen verweisen auf künftige Entwicklungen, ohne eine Richtung vorgeben zu wollen. Der Ort bleibt begehbar, nahbar und lädt die Passanten ein, sich zu ihm in ein eigenes Verhältnis zu setzen.

Begründung Jury:

Die Arbeit „ Drei Farben“ nimmt in herausragender Weise Bezug auf die inhaltlichen und städtebaulichen Rahmenbedingungen am Platz der Mainzer Republik:

Inhaltlich leistet sie eine künstlerische Transformation des Themas der Hambacher Fahne. Sie bedient sich des in der Kunstgeschichte etablierten Mittels der Farbfeldinszenierung und schafft damit eine subtile Brechung des vielfältig besetzten Fahnenmotivs. Durch die Trennung der drei Farben der deutschen Fahne auf jeweils drei ca. 9 Meter hohe Messingrahmen kann die Fahne neu erlebt werden. Der Künstler hat das Verblassen und Verschleissen des Tuches mitbedacht-- wie die Demokratie selbst muss auch diese Fahne immer wieder erneuert werden. Die offene Form, mit der die drei Elemente den öffentlichen Raum vor dem Landtag bespielen, steht für die spielerische Offenheit, mit der die symbolträchtige Farbigkeit vom Künstler inszeniert wurde. Wie an die heroische Trikolore lassen die monochromen Tücher auch eine Assoziation an das historische Bleichenviertel mitschwingen.

Städtebaulich formieren die subtil detaillierten Messingrahmen einen Stadtraum, der begrenzt und offen zugleich ist. Sie setzen ein Zeichen an der noch nicht abschließend formierten, noch ungeordneten Nahtstelle zwischen der Mainzer Alt- und Neustadt. Sie formieren neue Blickachsen, die aus jeder Richtung anders gelesen werden können. Der geschichtlich für Mainz und die deutsche Demokratie so bedeutsame Platz erfährt durch das im Wind flatternde Tuch eine neue Leichtigkeit, ohne dass die Historie in irgendeiner Form verdrängt würde. Die Rahmen verweisen auf künftige Entwicklungen, ohne eine Richtung vorgeben zu wollen. Der Ort bleibt begehbar, nahbar und lädt die Passanten ein, sich zu ihm in ein eigenes Verhältnis zu setzen.

Konzeptidee Künstler (Auszug):

Verortung
Der Entwurf „Drei Farben“ sieht drei messingfarbene Tore vor, die als Fahnenmasten den Platz vor dem Neubau definieren und charakterisieren. Durch die Tor-Skulpturen wird er Besucher eingeladen diesen Ort zu betreten, die Tore zu durchschreiten und über den Ort und seine Bedeutung zu reflektieren. Die Fahnentücher in den Farben Rot, Gelb und Schwarz sind in der Farbgebung der Deutschen Fahne entlehnt. (…)
Es tun sich neue Wege, Blickwinkel und Perspektiven auf, die den Platz und die Umgebung erlebbar machen und zum Verweilen und reflektieren einladen. Die künstlerische Arbeit „Drei Farben“ verleiht den Platz eine Identität. (…)

Inhaltliche Darstellung
Die drei Fahnentücher lassen sich in Ihrer Farbigkeit zur deutschen Fahne addieren, wodurch der Entwurf dazu anregt über ihre ursprüngliche sowie heutige Bedeutung zu reflektieren.
Als Symbol für das Streben nach Freiheit und Bürgerrechten wurden zum Hambacher Fest 1831 erstmals die Schwarz-Rot-Goldene Trikoloren gezeigt. Bis heute prägt die hierin begründetet und erstmals vom Balkon des Deutschhauses ausgerufene Demokratie unser Zusammenleben in Deutschland.
Durch die Aufteilung der Farben und ihre Rahmung mit dem Messingmaterial erhält jeder Fahnenmast die Qualität eines abstrakten, monochromen Gemäldes. Durch das Material Messing haben die Tore zudem eine starke skulpturale Qualität. Hierbei steht das Messing für eine Wertigkeit die mit den umliegenden Oberflächen und Gebäuden harmonisiert. Durch das bewegte Bild der filigranen und fließenden Stoffe im Wind, wird zudem ein Gefühl von Leichtigkeit erzeugt.

In der Ausstellung Kunst und Bau am Landtagsbau können Sie bis zum 13.09.2018 die 10 Wettbewerbsarbeiten in einer umwerfenden Kulisse bestauen. Informationen dazu finden Sie hier

Den Clip zur Pressekonferenz vom 04.09.2018 aus der Sendung SWR Aktuell Rheinland-Pfalz finden Sie in der SWR-Mediathek.