Entscheidung | Kunst und Bau Wettbewerb| Mainz| Kernchemie JGU Mainz

Mit der Preisgerichtentscheidung für den Neubau des Labor- und Bürogebäude Kernchemie auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist der beschränkte Wettbewerb abgeschlossen.
Die Aufgabe war den Eingang und den Ausgang künstlerisch zu gestalten, die inhaltlich eine adäquate Beziehung zum Gebäudezweck aufnimmt und herausheben soll.

Anlass und Ziel:

Im Zuge des Neubaus eines Labor- und Bürogebäudes für das Institut für Kernchemie auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wurde ein beschränkter Kunst und Bau Wettbewerb ausgeschrieben. Die acht eingeladenen Künstlerinnen und Künstler wurden um eine künstlerische Gestaltung für den Eingangs- und Ausgangsbereich gebeten.

Verfahren:

Für den beschränkten Wettbewerb wurden acht Künstlerinnen und Künstler eingeladen. Auslober dieses Kunstwettbewerbes war im Namen des Landes Rheinland-Pfalz der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung, Niederlassung Mainz.

Eingeladene Künstlerinnen und Künstler:

Böhmelmann, Ulli| Kokl, Anton| Olma, Veronika| von Puttkamer, Katja| Rump, Aloys| Schumann, Regine| Veldhues, Katarina und Schumacher, Gottfried| Wolff, Michael

Wettbewerbsaufgabe (Auszug):

(…) Der Neubau des Instituts für Kernchemie zeigt sich in der Ansicht zweigeteilt: Ein mit grauen Beton- und roten Blechelementen gestalteter Baukörper enthält den Sicherheitsbereich (Überwachungsbereich) mit den Laboren. Der andere Baukörper umfasst einen kleinen Innenhof, hier sind Büros und Seminarräume untergebracht, er hat eine hell verputzte Fassade.

Der Eingangsbereich mit dem zum Außengelände durchgesteckten Flur trennt bzw. verbindet die beiden Nutzungsbereiche.

Der Eingang, der querende Foyerbereich und der Ausgang sollen eine künstlerische Ausgestaltung erfahren. Es ist eine signifikante ein- oder mehrteilige Arbeit denkbar, die auch ihre Spuren in den angrenzenden Außenbereichen oder dem Atriumbereich hinterlassen darf.
Eine Hervorhebung des Eingangs ist ausdrücklich gewünscht. (…) Der Auslober wünscht sich eine künstlerische Ausgestaltung, die in besonderem Maß zur Identitätsstiftung des bedeutenden Instituts beiträgt. (…)

Entscheidung Preisgericht:

Für den beschränkten Wettbewerb wurden acht Entwürfe fristgerecht und ohne erhebliche Minderleistungen eingereicht und zum Preisgericht am 03.06.2019 zugelassen.
Nach der vierten wertende Runde entschied sich das Preisgericht für die Arbeit „walk the line“ von der Künstlerin Veronika Olma.

Begründung Jury: (Auszug)
Die künstlerische Ausgestaltung „walk the line“ besetzt die einzige noch „ungestörte“ Fläche des Gebäudes, den Boden der Magistrale. Sie nimmt die Ankommenden am Eingang in Empfang und begleitet sie auf dem ganzen Weg durch das Institut bis in den Außenraum, wo sie mit Humor die Bronzeschwäne inszeniert. Den klaren Strukturen des funktionalen Gebäudes fügt sie eine spielerische Leichtigkeit hinzu. Die heitere Farbigkeit der Glasfläche wird verstärkt durch eine LED-Beleuchtung. Die Arbeit kann so trotz der engen Rahmenbedingungen eine starke gestalterische und identitätsstiftende Wirkung entfalten. (…)

Begründung Jury: (Auszug)

Die künstlerische Ausgestaltung „walk the line“ besetzt die einzige noch „ungestörte“ Fläche des Gebäudes, den Boden der Magistrale. Sie nimmt die Ankommenden am Eingang in Empfang und begleitet sie auf dem ganzen Weg durch das Institut bis in den Außenraum, wo sie mit Humor die Bronzeschwäne inszeniert.
Den klaren Strukturen des funktionalen Gebäudes fügt sie eine spielerische Leichtigkeit hinzu.
Die heitere Farbigkeit der Glasfläche wird verstärkt durch eine LED-Beleuchtung.

Die Arbeit kann so trotz der engen Rahmenbedingungen eine starke gestalterische und identitätsstiftende Wirkung entfalten. (…)

Konzeptidee Künstler (Auszug):

Der Schriftzug "Ba", der einer handschriftlichen Aufzeichnung von Fritz Straßmann entspricht, empfängt die Besucher. Über dem Eingangswinkel steht er in drei Meter Breite in leuchtenden Neonbuchstaben aus mundgeblasenen Glasröhren.
Das Zeichen symbolisiert das Element "Barium", das Fritz Straßmann chemisch analysierte und damit die Kernspaltung bewies.

"Der wußte Bescheid", war sein handschriftlicher Kommentar in Sütterlinschrift in einem Albumblatt auf ein Wilhelm-Busch-Gedicht und ist nun zu Ehren des Chemikers in verschiedenen Größen und an unterschiedlichen Orten im Gebäudeinneren als Folienschrift auf Glas und Beton zu finden.

Nach einem kurzen Prolog durch den Windfang des Eingangsbereichs betritt man einen Glasboden, der von unten mit 27 LED-Streifen - quer zur Laufrichtung - erleuchtet ist. Über diesen Boden ziehen sich unzählige, farbig gedruckte Linien. "Walk the line" lädt ein, dieser Spur zu folgen, die sich zu einem farbigen Teppich aus unzähligen Diagrammen der Kernchemie und Phantasiediagrammen verdichtet und in verschiedene Räume führt. Am Ende des 25 m langen Ganges schließen die Linien nach einer starken Überlagerung ab. Der Glasboden zieht sich noch ca. 6 m weiter hinaus in den Gartenbereich. Er erhält hier die Anmutung eines kleinen Sees von dem aus die Schwäne des Künstlers Adam Antes (Kunst am Bau aus den 60er Jahren) zu starten scheinen.

Wenn Ideen "Flügel" erhalten, sich also erheben und ausbreiten können, dann haben zuvor Menschen gewissenhaft eine Spur verfolgt. Ein Perspektivenwechsel ist bei aufkommenden Fragen stets hilfreich, will man zur Erkenntnis gelangen. Zum Beispiel, wenn man - wie Fritz Straßmann - das entscheidende Rätsel lösen will, warum Radium nicht Radium ist, sondern Barium.